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Ratgeber Magersucht

Informationen für Betroffene und Angehörige

Ursachen und Entstehung von Magersucht

Als psychosomatische Erkrankung basiert die Magersucht auf einem Wechselspiel aus psychischen und physischen Prozessen. Es gibt keine allgemeingültige Erklärung dafür, warum Menschen magersüchtig werden. Gleichwohl gibt es verschiedene Modelle, mit denen man versucht, die Hintergründe zu erhellen. Allgemein akzeptiert sind drei Erklärungsmodelle. Welche dieser Theorien im Einzelfall am stärksten zum Tragen kommt, werden ggf. Patient(in) und Therapeut gemeinsam herausfinden.

Der psychoanalytische, sog. triebtheoretische Ansatz stellt die Sexualität der Betroffenen ins Zentrum der Ursachenforschung. Nach dieser Theorie ist die Magersucht als Abwehrreaktion gegen sexuelle Wünsche, Regungen und Vorstellungen anzusehen, die die Betroffenen nicht zulassen können und die angstbesetzt sind. Gerade in der Pubertät durchleben Jugendliche bzw. Heranwachsende psychosexuelle Entwicklungskrisen, die – können sie nicht gemeistert werden – zu einem Rückzug in die Kinderwelt führen können. Magersüchtige erreichen durch ihre extreme Gewichtsabnahme eine Verzögerung der körperlichen Entwicklung, insbesondere der sekundären Geschlechtsmerkmale, bei Mädchen bleibt die Menstruation aus etc.

Im Rahmen des sog. familiendynamischen Erklärungsmodells wird die Familiendynamik der Familie der Betroffenen in den Fokus gerückt. Hier geht es darum, die Familie, in der der Magersüchtige lebt, als System zu betrachten und zu sehen, in welcher Form die einzelnen Familienmitglieder miteinander interagieren. Sehr genau wird analysiert, wie die Beziehungen zwischen dem Betroffenen und seinen Eltern, Geschwistern etc. aussehen. Immer wieder wird festgestellt, dass innerhalb der Familien Betroffener starke Bindungen, ein Streben nach Harmonie sowie eine hohe Leistungserwartung und allgemein hohe Anforderungen eine große Rolle spielen. In solchen Konstellationen kann die Magersucht eines der Familienmitglieder ein Ausdruck der familienimmanenten, oftmals nicht offen zutage tretenden Spannungen und Konflikte sein. Die Erkrankung kann dann z. B. die Funktion erfüllen, das Familiengefüge zusammenzuhalten.

Der dritte Ansatz betrachtet die intrapsychische und intrapersonelle Selbstbehauptung. Hier wird als Ursache der Magersucht eine Überangepasstheit in der Kindheit angesehen. Demnach manifestiert sich ein daraus erwachsendes Ohnmachtsgefühl der Betroffenen später in der Erkrankung, über die die Betroffenen eine als erstrebenswert empfundene Kontrolle über den eigenen Körper (zurück-)gewinnen und sich selbst behaupten, indem sie die Hungergefühle überwinden.

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  • Junge Frauen haben am häufigsten Essstörungen 09.02.2012
    Fünfmal mehr Frauen als Männer leiden in Deutschland unter Störungen im Essverhalten. Dies hat eine repräsentative Studie der Universität Leipzig gezeigt. Dazu zählen zum Beispiel die Ess-Brech-Störung (Bulimia Nervosa) oder Magersucht (Anorexia Nervosa).