Ratgeber Magersucht
Informationen für Betroffene und Angehörige
Wie wird Magersucht diagnostiziert?
Magersucht wird anhand unterschiedlicher Kriterien diagnostiziert. Keines der Kriterien kann für sich allein die Diagnose begründen. In jedem Fall deuten die nachfolgend aufgelisteten Indikatoren darauf hin, dass ein Problem im Hinblick auf Magersucht vorliegen könnte. Die medizinische Diagnosestellung und die Aufstellung eines entsprechenden Therapieplans sind immer Aufgabe des Arztes.
Ein wichtiges Kriterium ist der Body Mass Index (BMI), der sog. Körpermasseindex. Er gibt Hinweise darauf, ob das Körpergewicht sich im Normalbereich befindet oder ob ggf. bereits Untergewicht vorliegt. Der BMI berechnet sich folgendermaßen: Körpergewicht in kg geteilt durch Größe in m zum Quadrat. Beträgt der BMI weniger als 17,5, gilt dies als ein Kriterium für Magersucht. Achtung: Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre, die sich noch im Wachstum befinden, gilt die BMI-Berechnung nicht. Bei Ihnen bestimmt der Arzt individuell die sog. Perzentile (Wachstumskurve), in der auch Alter, Gewicht und Körpergröße berücksichtigt werden.
Ein weiterer Indikator für Magersucht ist das Verhalten der Betroffenen rund um den Themenkomplex Nahrung und Gewicht. Die Betroffenen sind ständig bedacht auf eine aktive Gewichtsreduktion, die immer extremere Formen annimmt: Die Nahrungsaufnahme wird sehr stark eingeschränkt und kontrolliert, Nahrungsmittel mit hoher Kalorienzahl werden gemieden; z. T. wird Erbrechen herbeigeführt oder Abführmittel werden übermäßig eingesetzt; hinzu kommt häufig eine übertriebene körperliche Aktivität (Hyperaktivität), die zwanghafte Züge annehmen kann. Die Betroffenen beschäftigen sich zudem ständig mit den Themen Nahrung und Gewicht und sind von einer permanenten Angst getrieben, sie könnten zunehmen. Von einer normalen Diäthaltung unterscheidet sich die Magersucht u. a. insofern, als dass Magersüchtige das angestrebte Gewicht immer weiter nach unten verschieben und keinen Endpunkt finden. Das angestrebte Gewicht wird immer niedriger angesetzt, bis hin zur Gesundheitsschädigung.
Dies hängt eng zusammen mit der bei Magersüchtigen festzustellenden verzerrten Körperwahrnehmung, der sog. Körperschemastörung. Der z. T. grotesk und krankhaft abgemagerte Körper wird häufig immer noch als „zu dick“ empfunden. Eine Krankheitseinsicht fehlt. Mit täglichen Wiegeritualen kontrollieren Magersüchtige ihre „Erfolge“ oder „Misserfolge“ in ihrem Bestreben, immer weiter abzunehmen. Das intensive Hungern kann in Ess-Attacken münden, aus denen sich ggf. eine Bulimie entwickeln kann.
Was Magersüchtige überdies häufig auszeichnet, ist eine starke Leistungsorientierung und motivation sowie ein hohes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein. In der Schule haben sie oft gute Noten, da sie meist gut bis überdurchschnittlich begabt sind.
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